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Schicksalshafte Schiffsbeziehung, die Zweite: Meine Costa Concordia

TITANIC-FEELING AUF DER COSTA CONCORDIA

Sommer 2010

Meine Sammlung zum Thema Titanic war bereits sehr umfangreich. Ich hatte schon viel über andere mächtige Schiffe gelesen, gesehen, gehört. Aber etwas fehlte noch: das richtige „Titanic-Feeling“ eines großen Kreuzfahrtschiffes. Einmal bei Sonnenuntergang an der Reling stehen, einmal am Balkon der Kabine den Blick aufs weite Meer schweifen lassen, einmal ein „Captains Dinner“ mit Sprühkerzen und schmunzeln dabei…

1. August 2010, Savona, Italien

Mit all diesen Erwartungen gehe ich also an Bord der Costa Concordia.

Ein 450 Millionen teures Schiff, 290 Meter lang und 35 Meter breit. Bei voller Besatzung knapp 5000 Menschen an Bord.

Eigentlich unvorstellbar, aber das Schiff ist um einiges größer als die Titanic – und es ist noch lange nicht das Größte der Welt!

Alles ist neu für mich, eine kleine Stadt, nur schwimmend. Tolles Essen, schönes Zimmer, das letzte ganz hinten rechts am Gran Bretagna Deck.

Ach ja, und da ist dann auch noch der fesche Kapitän. Er begrüßt uns am ersten Abend beim Eröffnungsevent auf der Bühne des Bordtheaters. Wie heißt der doch gleich? …. Francesco Scettino… genau…
Diesen Namen werde ich zwei Jahre später wohl noch öfter hören…

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Sicherheitsübung. Wozu?

Am ersten Tag die Sicherheitsübung an Bord. Da stehen wir nun in diesen unkleidsamen Rettungswesten, warten, bis in gefühlt 56 Sprachen das Sicherheitsprozedere im Falle eines Notfalles erklärt wird.

Notfall? Im Mittelmeer? Heute, im Jahr 2010?
Die leise Frage nach einem „Wozu das Ganze?“ keimt in mir auf.

Heute schäme ich mich ein bisschen dafür, denn mir scheint, die Überheblichkeit der Menschen vor dem Unglück der Titanic trug auch ich in mir, als ich dachte, dem Schiff könne niemals etwas passieren.

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Die Reise dauert sieben Tage, wir steuern die Häfen Neapel, Palermo, Tunis, Palma, Barcelona und Marseille an.

Am Ende bleiben viele schöne Eindrücke.

EIN TRAURIGES WIEDERSEHEN

Jänner 2012

Ich sitze in einem kleinen Café in Cairns, an der Ostküste Australiens.
Vom Nebentisch erreichen mich Wortfetzen…. Schiff… Unglück… Kapitän verantwortungslos….
Kurze Zeit später liegt mein Handy plötzlich nicht mehr still. Die ersten Nachrichten von Freunden aus meiner Heimat erreichen mich….  „Ist das nicht dein Schiff?“

Eine kaum erklärbare, tiefe Betroffenheit macht sich breit.
Ja, ein bisschen fühlt es sich wirklich an, als wäre „mein“ Schiff da verunglückt.
Ich kann es kaum glauben. Fast genau hundert Jahre nach dem Unglück der Titanic ereignet sich wieder eine Schiffskatastrophe, von der keiner je dachte, dass so etwas heutzutage noch passieren könnte.

Herbst 2012

Ein halbes Jahr später fasse ich den Entschluss, „meine Costa“ noch einmal zu besuchen.
Etwas verrückt ist es schon, zugegeben, sind es doch 1000 Kilometer bis nach Giglio, einer kleinen, malerischen Insel nahe Grosseto, Italien.

Eine Fähre bringt uns vom Festland zur Unglücksstelle.
Wir sind nicht die einzigen an Bord. Viele wollen das Schiff sehen.
Katastrophentourismus nennt man das wohl heute.

Aber nein, ich will keine Katastrophentouristin sein. Ich will nur Lebwohl sagen.

Begegnungen auf der Insel

Mit Carlo Femiani treffen wir den momentan wohl wichtigsten Mann auf der Insel. Er leitete die 300 Millionen Euro teure Rettungsaktion des Schiffes der Firma Titan und Micoperi. Mit einem kleinen Boot fährt er uns auf die Plattform, die unmittelbar neben der Costa errichtet wurde.

Rund 500 Arbeiter bereiten die Bergung vor und wuseln geschäftig an uns vorbei.

Da ist sie nun. „Meine Costa“ zum Greifen nah. Sie sieht armselig aus.

Etwas später treffen wir den sehr eifrigen Biologen Andrea Belluscio, der versucht, die durch den Unfall zerstörte Korallenwelt entlang der Küste zu retten.

Zufluchtsort

Fast rührend ist die Begegnung mit Pfarrer Don Lorenzo. Er öffnet uns die Türe seines Pfarrhofs und erzählt von den dramatischen Stunden nach dem Unglück, als er hunderten frierenden Menschen in seiner Kirche Schutz gewährte.

Ein kleines Mini-Übersetzungswörterbuch und ausladende Mimik und Gestik helfen uns dabei, uns prächtig zu verstehen.

In der Kirche finden wir etwas Besonderes. Die Madonna-Statue, die man aus der Schiffs-Kapelle barg. Ein Geschenk und Dankeschön für die Hilfe in der eiskalten Nacht während des Unglücks.

Giglio und seine Einwohner

Wir sprechen auch mit jenen Menschen, die auf Giglio leben. Der Katastrophentourismus schlägt sich in manchen Auftragsbücher der Hotels gut nieder, erzählt uns Hotelbesitzer Claudio. Mit den Tagestouristen hat man keine Freude, da sie wenig Geld bringen und wenig Respekt vor dem Unglück zeigen. Man freut sich, wenn hoffentlich bald wieder Ruhe einkehrt.

Es wird still

Am Abend wird es für kurze Zeit doch noch ruhig, die Tagesgäste reisen zurück.

Abschied

Nach zwei Tagen heißt es Abschied nehmen von meiner Costa Concordia.
Die Fähre bringt uns zurück ans Festland.

EIN LETZTER GRUß

Im Juli 2014 gelingt es, das Schiff vollständig aufzurichten und zu seiner Verschrottung in den Hafen von Genua abzuschleppen.

Ein letztes Mal statte ich ihr einen Besuch ab.
Im September 2014 schaue ich noch einmal in Genua vorbei – das Schiff liegt weit draußen in den riesigen Hafenanlagen der Stadt, ein Näherkommen ist leider nicht mehr möglich.

Ich schicke einen letzten Gruß aus der Ferne!

EIN ARTIKEL ENTSTEHT

Die Eindrücke der Reise hat Helmut Atteneder anschließend in einem schönen Artikel in den Oberösterreichischen Nachrichten zusammengefasst.

Zum Nachlesen

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  • December 2021
  • September 2021
  • September 2020

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www.britishtitanicsociety.com
www.titanicinternationalsociety.org
www.encyclopedia-titanica.org

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